Eine der wichtigsten Polaritäten im Leben ist die zwischen Mann und Frau,

Dem Männlichen und dem Weiblichen.

In den Märchen wird dieser Unterschied jederzeit akzeptiert. Er wird genossen, gelebt, gesucht.
Und wenn sich Mann und Frau in all ihrer Kraft und all ihrer Würde begegnen, entsteht Fruchtbares.

„Vor langer, langer Zeit lebte in Irland ein König namens Conn Mor. Er war mächtig, aber gerecht und gut, und sein Volk liebte ihn leidenschaftlich. Seine Gemahlin war die gute Königin Eda, die für ihre Gnade und ihre Weisheit gleichermaßen geliebt und geschätzt wurde. Sie war das Gegenstück zum König, und er war das Gegenstück zu ihr. Fehlte dem einen eine Eigenschaft, so verfügte der andere darüber im Überfluß. Es war deutlich, daß daß der Himmel das königliche Paar guthieß, denn die Erde brachte hervorragende Ernten hervor, die Bäume gaben neunmal soviel Obst wie gewöhnlich, in den Gewässern wimmelte es von erlesenen Fischen, Bienen erzeugten massenweise Honig, und die Kühe gaben soviel fette Milch, daß sie sich über die Felder ergoß und Gräben und Bäche füllte. Kurz gesagt, niemandem mangelte es an etwas, und die Menschen waren glücklich.“

So steht es im Märchen von Conn-Eda.
Männlichkeit und Weiblichkeit sind gleichwertige Pole.
Ihre Unterschiedlichkeit muß gelebt werden.

Wer sich darüber aufregt, daß auf alten Bildern, in alten Geschichten der Mann vor der Frau steht, der verkennt, daß die Menschen früher in Kreisen gelebt, gedacht, gefühlt haben. Im Kreis ist man, egal wo man steht, immer gleichwertig in Bezug auf den Kreis.
Vorne als besser gegenüber Hinten zu definieren, passt in die kapitalistische Wirtschaftsordnung: Wer vorne ist, ist erfolgreich, ist gut. Es passt in die Wirtschaftsordnung, die die Partizipation mit der Erde aufgekündigt hat und die Entmenschlichung des Menschen in großem Stil vorantreibt.

Natürlich können Männer brutal, unehrlich, gewalttätig, unaufmerksam und arrogant sein > böse im Sinne der Märchen.
Sie können aber auch verantwortungsbewußt, aufmerksam, fair, ehrlich und standhaft sein > gut im Sinne der Märchen.
Es gibt keinen Grund, Männlichkeit an sich als etwas Schlechtes zu bewerten, das bekämpft werden muß.
Natürlich hat es Zeiten gegeben, da sich Männer über Frauen gestellt haben. Aber man sollte das Fehlverhalten von Männern nicht gleichsetzen mit der so nötigen einen Seite der Polarität im Sein des Menschen, der Männlichkeit.
Denn auch Frauen können hinterlistig, gemein, unehrlich, abwertend und tödlich sein > böse im Sinne der Märchen.
Aber sie können auch ehrlich, hingebungsvoll, leitend, bewahrend und Leben schaffend sein > gut im Sinne der Märchen.
Ohne ihre Seite der Polarität verkümmert die Menschheit, ohne seine Seite verkümmert sie ebenso.

Männlichkeit wie Weiblichkeit einer Gendergleichheit zu opfern, ihre guten wie bösen Gegensätze zu verwässern, schafft Stillstand, schafft Entmenschlichung.